Sonntag, 11. Dezember 2016

Rezension: Was auch immer geschieht von Bianca Iosivoni

Quelle: (LYX

Taschenbuch: 410 Seiten 
Verlag: LYX
Sprache: Deutsch 
Preis: 10,00 (D) 

Klappentext: 

Sie darf ihn nicht lieben, denn er ist ihr Stiefbruder.. 

Als Callie nach langer Zeit in ihre Heimatstadt zurückkehrt, ist der Erste, dem sie dort begegnet, ausgerechnet Keith. Keith, der den Autounfall verursachte, bei dem ihr Vater starb. Keith, den sie nie mehr wiedersehen wollte. Sofort flammen der Schmerz und die Wut von damals wieder in ihr auf. Aber auch ein gefährliches Prickeln, das Callie völlig verwirrt. Denn Keith ist nicht nur die Person, die sie am meisten hasst. Er ist auch ihr Stiefbruder.. 


Meine Meinung: 

Auf dem eher dunkel gehaltenen Cover sind zwei Personen abgebildet, die sich umarmen und sehr vertraut miteinander wirken. Der Titel des Buches wird durch die große Schrift und  die weiße und lila Farbe schön hervorgehoben. Das gewisse Etwas verleiht außerdem der Bokehhintergrund. Ich finde dieses Cover sehr gelungen, wobei ich es mir etwas heller gewünscht hätte. 
Das Buch wird aus der Sicht der Protagonistin Callie erzählt, wodurch wir sie von Anfang an kennenlernen können. Bei Keith gestaltet sich dies als recht schwierig, da es keine Kapitel aus seiner Sicht gibt und man ihn als Leser nicht sofort versteht. Der Schreibstil der Autorin war wie erwartet sehr leicht und flüssig zu lesen und dazu auch humorvoll, dennoch fielen mir während des Lesens einige Wortwiederholungen auf, die mich etwas gestört haben. 
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von Callie in ihrer Heimatstadt und dem Leser wird schnell klar, dass sie diese kurze  Rückkehr viel Mut und Kraft kostet. Alles erinnert sie an ihren Vater und alle verdrängten Erinnerungen und Gefühle bahnen sich wieder in ihren Kopf. Und als wäre das nicht schon genug, begegnet sie dann auch noch mitten in der Nacht ihrem Stiefbruder, den sie sieben Jahre nicht gesehen hat und wegen des Unfalls, bei dem ihr Vater seinetwegen starb, hasst.. 
Callie wirkt zu Anfang wie eine sehr starke Protagonistin, die mit ihrer Vergangenheit gut zurecht kommt. Im Laufe des Buches wird aber schnell klar, dass dies nicht der Fall ist und sie die Probleme aus der Vergangenheit verdrängt und nicht wirklich verarbeitet hat. Sie läuft vor allem weg und setzt sich nicht mit den Dingen, die in ihrem Leben passiert sind oder gerade passieren auseinander. Dennoch ist sie eine sehr liebenswürdige Person die alles dafür tut, dass es ihrer Schwester und Stiefmutter gut geht. Sie ist sehr humorvoll und hat auf alles eine passende Antwort. Keith ist ebenfalls ein wirklich toller und  liebenswürdiger Charakter. Von Anfang an bin ich ihm verfallen und mit jeder weiteren Seite hat er sich immer weiter in mein Herz geschlichen. Er ist schlagfertig, lustig, geheimnisvoll und unglaublich gutaussehend. Außerdem ist er fürsorglich und besorgt um seine Familie, auch wenn er dies versucht zu verstecken. Trotz seiner lustigen Art geht auch eine gewisse Traurigkeit von ihm aus, auf die im Laufe der Geschichte immer mehr eingegangen wird. Callie und Keith als einzelne Personen fand ich schon wirklich spannen, aber zusammen haben sie mich umgehauen. Ständig lieferten sie sich einen hitzigen Schlagabtausch, gerieten bei jeder Kleinigkeit aneinander und hatten trotzdem diese besondere Magie, die sie verband. Für mich als Leser war die Entwicklung der beiden und besonders ihrer Beziehung total interessant und vor allem glaubwürdig. Die Zweifel die beide plagte und vor allem Callie's Ängste waren sehr realistisch und nachvollziehbar. Für sie war es wirklich sehr schwer mit Keith's Gegenwart umzugehen, da dieser Mann sie immer an die Geschehnisse vor sieben Jahren erinnerte. Ihre Frage, wieso sie ihm gegenüber solche Gefühle hegt, obwohl er am Tod ihres Vaters schuld ist und dazu noch ihr Stiefbruder ist, konnte ich nur teilweise verstehen. Denn wie ich schonmal in einer anderen Rezension schrieb, ist die Beziehung zwischen Stiefgeschwistern nicht verboten, da sie nicht blutsverwandt sind. Daher konnte ich die Reaktion einiger Charaktere auf dieses Thema nicht nachvollziehen. Neben den beiden Protagonisten gab es natürlich auch einige Nebencharaktere wie zum Beispiel Callie's Schwester Holly und ihre Stiefmutter Stella. Die beiden waren mir sehr sympathisch. Holly ist das komplette Gegenteil von Callie, denn sie ist aufgeschlossen, schrill und auf eine niedliche Art durchgeknallt. Auch ihre beiden besten Freunde Faye und Parker kamen in diesem Buch ab und an vor. Mit Faye konnte ich leider nicht warm werden und ich kann gar nicht genau sagen, woran das lag. Bei Parker, Callie's bestem Freund, war dies ganz anders. Er hat mich direkt überzeugt und ich würde gerne seine Geschichte erfahren, denn die hat er meiner Meinung nach definitiv verdient! 
Das Buch verströmt im Laufe der Geschichte viel Trauer und daher war ich während des Lesens manchmal betrübt. Ich konnte den Schmerz über den Verlust des Vaters die ganze Zeit spüren. Den Aspekt mit der Trauer und dem Umgang damit, hat die Autorin glaubwürdig beschrieben und einige Handlungen der Protagonisten nachvollziehbarer gemacht. Ein Kritikpunkt für mich ist jedoch das Ende. Ich habe mit diesem Ende gerechnet und fand es schade, dass die Autorin diesen Weg gewählt hat. Ich möchte dazu gar nicht mehr sagen, da dies sonst zu viel verraten würde. Auch das ständige hin und her zwischen den beiden hat mich oft wahnsinnig gemacht. Klar, die Situation ist alles andere als einfach, aber dann soll man doch bitte bei seiner Meinung bleiben und zu seiner Entscheidung stehen, und diese nicht alle paar Sekunden ändern. Ein Pluspunkt ist die Playlist mit Liedern, die sich am Ende des Buches befindet.  Außerdem sind in dem Buch einige Zitate/Stellen zu finden, die ich mir einfach markieren musste und deshalb werde ich auf jeden Fall  weiter Bücher von Bianca Iosivioni lesen. 

Fazit: 
Eine tiefgründige Geschichte mit zwei guten Protagonisten, die hier und da ihre Schwächen hat, die ich aber dennoch empfehlen würde. Daher bekommt "Was auch immer geschieht" von Bianca Iosivoni 4 von 5 Ballerinen. 




Zitate: 

„Es ist immer die erste große Liebe, die man nicht vergisst.“- Stella

„Die Frage ist also nicht, was du tun sollst, sondern ob du mit der Entscheidung und den daraus entstehenden Konsequenzen leben kannst.“ - Faye 

„Wer auch immer behauptet hatte, die Zeit würde alle Wunden heilen, war ein verdammter Lügner. Manche Wunden heilten nie. Und vielleicht sollten sie das auch nicht. Vielleicht brauchen wir den Schmerz, um uns daran zu erinnern, wie wichtig uns die Menschen gewesen waren, die wir verloren hatten.“ - Callie 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen